Historie & Programm

So fing alles an
Aktionen 2014 / 2015
Vereinsgründung
Arbeits-These
Aktionsplan 2016 / 2017

So fing alles an.
Ich las vor gut zwei Jahren (Sommer 2014) zufällig einen Hilferuf in fb. Drei junge Frauen, die alleine versuchten in ihrer Stadt über 100 Hunde im Public Shelter (PS) und auf ihrem eigenen Gelände zu versorgen und die sich offensichtlich in großen Nöten befanden. Ihre Bilder und ihre Worte berührten mich sehr und inmitten tausender Postings die nach Hilfe für Tieren verlangten, ließ mich gerade das Schicksal dieser Frauen nicht mehr los.
Ich begann diese fb-Seite zu verfolgen, denn die Frauen taten mir in ihrer Not so leid. Es gab keine Aussicht zu helfen; außer mit meinen kleinen finanziellen Mittel. Monate lang überlegte ich, wie man dort helfen könnte, bis ich in fb, die Bilder von einer großangelegten Deutschland-Tour von Steunerhilfe sah. Das wäre genau die Hilfe, die in Valcea gebraucht würde, aber ich wusste nicht, wie ich das als Privatperson schaffen sollte. Immer wieder schaute ich mir die Bilder von diesem Riesen-LKW von Streunerhilfe an.
Während des Verfolgens dieses Spendentransports, kamen mir plötzlich schreckliche Bilder von einer Reportage aus dem TV in den Sinn, in der über Waisenhäuser in Rumänien berichte wurde. Ich bemerkte, dass meine Emotionen beim Betrachten der Bilder von notleidenden Menschen und notleidenden Hunden gleich waren. Der Wille für die Kinder und die Hunde etwas tun zu wollen, war gleich stark. Bei der Berichterstattung über den Steunerhilfe-Transport, fiel mir ein Name immer wieder besonders auf: Tino More; er ist der Gründer des „Sozial Medizinischen Dienst“ (SMD), einer großen gemeinnützigen Organisation, mit Sitz in Wien. Ich schrieb ihn an, erzählte ihm meine Idee und fragte, ob er mir helfen könne, Spenden für Kinder und Hunde nach Rumänien zu bringen.
Aktionen 2014
Ich brauchte gut drei Monate Vorbereitung, um die nötigen Kontakte herzustellen, z.B. zu erfahren, In welchen Waisenhäuser, wie viele Kinder welchen Alters untergebracht sind und was diese Kinder am dringendsten benötigen. Ich musste leider die Erfahrung machen, dass mir KEINE der ausgewiesenen humanitären Organisationen (z.B. Storchennest…), in welcher Form auch immer, weiterhelfen wollten. Ich schrieb mir die Finger wund, um „Frontleute“ für dieses Projekt zu finden; u.a. Peter Maffey (selbst rumänienstämmig) oder Gregor Gysi. Menschen aus Medien, Film oder Politik zeigten keinerlei Interesse.
Ich hatte mittlerweile engen Kontakt mit den Frauen in Valcea und am Ende waren sie es, und Tierschützer verschiedener Vereine, die mir alle benötigten Daten und Informationen besorgten und zur Verfügung stellten. In Rumänien ist es ähnlich wie bei uns: Niemand geht in den Public Shelter und gar niemand schaut sich die Waisenhäuser an; auch die Tierschützer waren zum ersten Mal in einem Waisenhaus in ihrer Stadt. Sie waren entsetzt über die Zustände.
Nun war es Dezember 2014… und ich hatte, außer Tino, lediglich einen berühmten Fotographen aus Taiwan, namens Yun Fei Tou, der mit seinem Kalender „Memoriam Morte“ (in dem seine Fotos von Hunden abgedruckt sind, die einen Moment später getötet werden), in Tierschutzkreisen bekannt wurde. Um Geld zu sammeln, hatte ich für uns beide eine Road-Show ausgearbeitet, die aber wegen nicht vorhandenem Interesse von Veranstaltern nicht zustande kommen konnte.
Ich hatte große Angst vor dem nächsten Schritt, aber ich ging ihn… erbettelte mir einen großen Schiffscontainer und einen Stellplatz für vier Wochen. An Weihnachten 2014 eröffnete ich auf fb das erste Spenden-Event für die Waisenkinder und Hunde von Valcea. Ich dachte, dass das niemals etwas wird und ich mich fürchterlich blamiere. Doch nach knapp einer Woche ging es los – die ersten Menschen waren begeistert. Die Tierschützer spendeten für die Kinder mit und die Spender, die eher an Kinder dachten, brachten auch Hundefutter. Der SMD übernahm die Organisation für Österreich.
Wir haben es geschafft! Nach vier Wochen war der riesenhafte Container pickepacke voll und auch in Österreich war eine Menge gespendet worden. Insgesamt hatten wie ca. 10 Tonnen Hundefutter und Kleidung, Spielzeug/Sportartikel und natürlich auch süßes für große und kleine Kinder. Natürlich fuhr ich im LKW mit nach Rumänien und Ich brachte alles persönlich vor Ort. Da ich persönlich vor Ort per Fotos dokumentierte, dass alles „ohne Schwund“ angekommen war, war das Vertrauen bei den Spendern gefestigt, weil sie sahen, dass „ihre“ Spende angekommen war. Allerdings hat mich diese Aktion körperlich fast an meine Grenzen gebracht und ohne meine Familie hätte ich es nicht geschafft.
Nachdem der Leiter des Waisenhauses für Jugendliche, Horia Petru, von ihrem Weihnachten 2014 erzählte, wurde mir schwer ums Herz. Es gab von der Stadt keine Mittel für einen Weihnachtsbaum, ein besonderes Essen oder gar Geschenke. Je älter die Kinder werden, desto weniger Geld wird für ihre Förderung zur Verfügung gestellt. Die Jugendlichen essen ausverbeulten Blechnäpfen, die Matratzen sind schlechter als die unserer Hunde und sie haben keine Chance auf irgendeine Zukunft. Dabei sind diese Kinder ebenso liebenswert wie unsere eigenen… sie haben so viel Freude und Liebe zu den einfachsten Dingen.
Den Jugendlichen läuft die Zeit davon… spätestens mit 21 werden sie aus der Einrichtung „rausgeworfen“. Sie haben keinen Kontakt zur Außenwelt. Alles was unseren Jugendlichen selbstverständlich ist (Handy oder Internet), fehlt ihnen völlig. Wenn sie sich außerhalb der Einrichtung aufhalten, begegnen ihnen die Leute mit Misstrauen.
Aktionen 2015
Die zweite Aktion 2015 war „Ostern im Schuhkarton“, für die Kinder, die noch nie in ihrem Leben ein persönliches Geschenk bekommen haben; und natürlich Futter für die Hunde. Spenderinnen und Spender sollten persönliche Päckchen für Jugendliche im jenem Waisenhaus (ca. 50 Zubetreuende) packen, welches uns den seriösesten Eindruck machte und an einer Zusammenarbeit das größte Interesse hatte. Inhalt der Päckchen: Hygieneartikel, Schulzeug, Süßes und etwas Persönliches T-Shirt o.ä. für Jungs/Mädchen. Da ich wieder alles persönlich überreichen wollte, bekam ich von unseren Rollstuhl-Basketballern auch noch Geld für ein Pizzaessen für alle. Alle Beteiligten waren auch von dieser Aktion begeistert.
Letzte Aktion 2015 war eine Spendensammlung. Die Jugendlichen sollten ins Kino und zu einem gemeinsamen Pizzaessen eingeladen werden. Außerdem sollte es in der Einrichtung etwas weihnachtlich zugehen, in dem wenigstens ein geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt werden kann. Auch das ist uns gut gelungen und die Freude war riesig… zumal es für die Kinder und Jugendlichen das erste Mal im Leben war, dass sie einem Film im Kino sehen (Star Wars… auch noch in3D).
Meine Anwesenheit vor Ort, erlaubte mir, die Menschen, die Tiere und die Verhältnisse kennen zu lernen. Durch diese Eindrücke und Erfahrungen, sind die Helfer, die Kinder und die Hunde in Valcea, ihre Nöte und ihre Lebensumstände zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden.
Vereinsgründung
Schon damals formte sich in mir die Idee eines Zukunftsprojektes für die Waisenkinder und die Hunde in Valcea. Durch meine Erfahrungen bei den vorangegangenen Aktionen wusste ich, dass das für eine Privatperson nicht leistbar ist; die organisatorischen und finanziellen Risiken sind zu groß. Eines der organisatorischen Probleme waren Geldspenden. Unter keinen Umständen wollten wir, dass Spendengelder über private Konten laufen! Der gemeinnützige SMD in Wien half uns mit einem ihrer Underkonten (notariell beglaubigt und geprüft) aus. Das sollte aber kein Dauerzustand bleiben, da sich das Problem der Verfügung über und  die Verwendung der Spenden ergab. Darüber hinaus zeichnete sich die Möglichkeit ab, dass wir den Tierschützerinnen in Valcea besser helfen könnten, wenn sie auf eine offizielle, anerkannte und geprüfte Organisation verweisen können.
Ich brauchte mehrere Monate um meine Kraftreserven wieder aufzufüllen und mir Gedanken über die Struktur eines Vereins zu machen, den ich mir fest vorgenommen hatte zu gründen. Die lange Zeit erklärt sich daraus, dass ich einen verantwortungsvollen Vollzeitjob habe, selbst sechs Hunde halte (und manchmal noch Pflegestelle bin) und deshalb meine Zeit begrenzt ist.
In mühevoller Kleinarbeit entwickelten wir (mein Mann machte das Formale) eine Vereinssatzung, die allen Erfordernissen eines eingetragenen, gemeinnützigen Vereins entsprechen sollte. Es stellte sich etwas komplizierter dar, als wenn ich nur einen Karnevalsverein hätte gründen wollen… weder das hiesige Amtsgericht, noch das Finanzamt hatten je mit einem zu gründenden  Verein zu tun, der karitativen und tierschützerischen Zwecken gleichzeitig dienen sollte und das auch noch auf europäischer Ebene. Aber auch das ist gelungen und der Verein war kurz vor Weihnachten 2015 gegründet, als gemeinnützig anerkannt und ich bin die Vorsitzende.
Trotz der gelungenen Vereinsgründung, war ich emotional reichlich hilflos. Wie sollte es nun weitergehen? Genau in dieser Situation, meldete sich Tino vom SMD und erinnerte mich daran, dass ich doch da mal eine Idee von einem Zukunftsprojekt mit Kindern und Hunden gehabt hätte und fragte an, ob man das eventuell gemeinsam vorantreiben sollte. Wir setzten uns zusammen und arbeiteten ein Konzept aus, das in den nächsten zwei Wochen in einer Präsentation dem Bürgermeister von Valcea, mit dem wir mittlerweile in Verbindung getreten waren, vorgestellt werden sollte.
Arbeitsthese
Der unserer Arbeitsthese zu Grunde liegende Gedanke war die Erinnerung an das Deutschland der 1960er Jahre. Wenn damals jemand etwas von Umwelt- oder gar Tierschutz sagte, wurde er (…freundlichste Bezeichnung) als Spinner abgetan. Dieselbe Situation stellte sich mir in Rumänien des Jahres 2014 dar.
Ausgangspunkt für unsere Arbeit sollte also die Idee sein, dass die Linderung der Not junger Menschen, in Verbindung zur Not der Tiere (Hunde) zu bringen sei. Aus dem Erleben der Jugendlichen heraus, dass ihnen von Tierfreunden geholfen wird, sollte sich das Interesse und die Sympathie für das entwickeln, was „diese Leute“ sonst so machen.
Aktionsplan2016 / 2017
Umsetzung des Zukunftsprojektes – dabei handelt es sich um eine Ideensammlung, die nach und nach, ineinander greifend, in Valcea dafür sorgen soll, dass sich die Situation der Jugendlichen und der Shelterhunde verbessert. Einzelne Punkte sind:
     > Übernahme eines Shelters für gerettete Hunde (nach deutschen Standards)
 > Kastrations- und Sterilisation-Projekte
     > Vermittlung von Hunden in Länder Westeuropas
 > Kastrations- und Sterilisation-Projekte und medizinische Versorgung der Tiere von Armen
 > Im übernommenen Shelter Schaffung von Ausbildungsplätzen für Waisen (z. B. ArzthelferInnen)
 > Suche und Vermittlung für sonstige Praktikumsplätzen für Waisen
 > Angebot von Tagesarbeitsplätzen für Obdachlose, Arbeitslos und Rentner gegen Entgelt
     > Wiederkehrende humanitäre Aktionen; z.B. Oster/Weihnachten im Schuhkarton
 > Englischkurse in den Waisenhäusern (z.B. mittels Sprachlabor…)
 > Einrichtung einer von den Waisen geführten Kleiderkammer und Tiertafel für Obdachlose
 > Gestaltung von Schulstunden – Über die Erfordernis von Tierschutz, inkl. Besuch unsere Shelters
 > Herstellung von Hilfsmittel für Hunde (Mäntelchen…) durch die Waisen und
     > Vertrieb zu ihren Gunsten durch uns (Verdienstchance für die Kinder)
 > Freizeitgestaltung und Studienreisen für die Jugendlichen (in Österreich oder Deutschland)
 > Patenschaften für Hunde und Kinder
 > Einrichtung einer Medien-Infrastruktur (im Waisenhaus und im Shelter)
Dieser Aktionsplan ist sehr anspruchsvoll und für manche Positionen ist der Plan (wegen Änderung der politischen Verhältnisse – anderer Bürgermeister) derzeit auf Eis gelegt. Allerdings ist es uns auch gelungen, einige Punkte zu realisieren – immerhin. Es handelt sich dabei um die Ideen, die sich ohne die offizielle Politik realisieren lassen; z.B. die Einrichtung eines Sprachlabors für Englisch-Kurse und eines Mediencenters im Waisenhaus. Wir arbeiten weiter an unserer Vision einer besseren Welt für die Kinder und die Tiere.

Sibylle Burzel
Vorsitzende